Na, auch schon E10 im Tank? Der neue ‘Bio’-Kraftstoff stiftet ja reichlich Verwirrung in den letzten Tagen. Benzingipfel hin und her – wie ‘bio’ ist E10 eigentlich?

E10 enthält bis zu 10% Bioethanol (vorher waren nur 5% erlaubt) – ein großer Sprung in Richtung Klimaschutz scheint das nicht zu sein – immerhin sind immer noch mind. 90% von E10 aus Erdöl hergestellt. Wenn man wirklich große Schritte in Richtung CO2-Reduzierung unternehmen möchte (und nicht nur Augenwischerei) dann muss schon etwas drastischer eingegriffen werden.

Flickruser estarsid

Andere Länder – andere Biokraftstoffe

Die Schweden habens z.B. total drauf:  da gibt es schon seit Jahren E85 – besteht zu 85% aus Bioethanol und nur noch zu 15% aus Benzin. Ist doch ein grüneres Zahlenverhältnis, oder? Das Ethanol wird in Schweden – genau wie in Güssing – aus Holz gewonnen. Um  E85 zu tanken braucht man ein Flexible-Fuel-Vehicle (FFV) – das sind Autos die jedes Mischungsverhältnis von Ethanol und Benzin ohne jeden Schaden tanken können. Und solche Autos werden in Schweden auch noch bezuschusst. So geht das, liebe deutsche Politik, wenn man es richtig machen will. Ziele setzen (Schweden will bis 2020 unabhängig von fossilien Energieträgern sein) und die richtigen Schritte umsetzen. Dann klappt das auch mit der Vermaktung vom Biokraftstoff.

Klimafreund oder Klimafeind?

Die Broschüre “Mehr Bio im Benzin” (hab ich letzte Woche in einer Tankstelle bekommen) sagt Biokraftstoffe spielen eine bedeutende Rolle beim Klimaschutz. Viele andere bestreiten die Umweltbilanz von Bioethanol und behaupten, durch E10 wird sogar noch mehr CO2 freigesetzt als durch normales Benzin. Was denn nun? Für die Herstellung von Bioethanol braucht man stärkehaltige Pflanzen (Mais, Zuckerrüben/ – rohr) um diese anpflanzen zu können braucht man Ackerfläche – Regenwald wird abgeholzt, und das Ökosystem durch Pestizide und Dünger vergiftet. Das Ethanol für das in Deutschland tankbare  E10 ist zertifiziert und kommt nur von deutschen Unternehmen, der größte Bioethnaolexporteur aber ist Brasilien – und das zu Lasten der grünen Lunge. Mehr Infos zur Klimaschädlichkeit hier und hier mit einfachen Tipps zu klimafreundlicher Mobilität.

Tanken vs. Essen

Die Ackerflächen, die für die Erzeugung von Biokraftstoffen genutzt werden, fehlen für die  Produktion von Nahrungsmitteln. Könnte eine agrobenzin-induzierte Süßkramknappheit die ernährungsbedingen Zivilisationskrankheiten wie Diabetes Typ II aussterben lassen, wenn der Zucker im Auto-Tank statt im Karies geplagten Mund landet?

Jetzt mal im Ernst: Igendwann ist das Erdöl alle und Bioethanol ist keine Alternative für die Mobilität der Zukunft, wenn’s mit  dem Verbrauch so bleibt wie bisher. Hier ein schönes Rechenbeispiel für die Agrarflächen der USA: Alle Ackerflächen würden gerade mal so ausreichen, würde man alles Erdöl für Autos durch Bioethanol aus vergorenem Zucker ersetzen. Dann fehlen alle in den USA angebauten Nahrungsmittel und der Treibstoff für Flugzeuge.

Wirklich zukunfsfähig ist Bioethanol als Ersatz für fossile Treibstoffe nicht – und ob die Beimischung sich hierzulande durchsetzen wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Elektro-Autos, die mit Strom aus erneuerbaren Energien ‘betankt’ werden sind dagegen eine wirkliche Alternative.

Be Sociable, Share!